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          *Die vier Elemente*
        von G. Angelika Wetzel, Stuttgart

Philosophie

Der Begriff Ayurveda kommt aus dem Sanskrit und setzt sich aus Ayur (Leben) und Veda (Wissen) zusammen. Übersetzt bedeutet Ayurveda „Das Wissen vom langen Leben“.

 

Ayurveda ist eines der ältesten Medizinsysteme unserer Erde.

Ziele des Ayurveda sind:
- Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit (Prävention)
- Maßnahmen zur Heilung von Krankheit (Therapie) und
- Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensspanne bei bestmöglicher Vitalität und Gesundheit (modern ausgedrückt "Anti Aging).

Nach traditioneller Vorstellung wurde das ayurvedische Wissen vor mehreren Tausend Jahren in meditativer Einkehr von weisen Menschen (sog. Rishis) empfangen und ist nicht das Produkt intellektuellen menschlichen Handelns. Aus diesem Wissen wurden Lebensweisheiten entwickelt, die wir heute als Ayurveda kennen. Hierbei spielen viele physische, mentale, emotionale und spirituelle Aspekte eine wichtige Rolle für Gesundheit und Wohlbefinden. Ayurveda ist ganzheitlich, d.h. es wendet sich an den gesamten Menschen und an jeden Bereich seines Lebens, der Lebensführung und damit der daraus resultierenden Gesundheit. Hier gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen, die individuell an den Lebensalltag des Menschen angepasst werden. Gesundheit bedeutet nach Ayurveda, dass der Mensch im Einklang mit seiner persönlichen Natur lebt und es gibt dafür viele Empfehlungen. Obwohl die ayurvedische Lehre und Praxis in Indien vor Tausenden Jahren "entdeckt" wurde und dort bis heute das traditionelle Medizinsystem ist, ist Ayurveda keine "exotische indische Heilkunst"! Die ayurvedischen Empfehlungen und Prinzipien lassen sich bestens in die heutige Zeit und in seinen Lebens- und Berufsalltag übertragen.

Die ayurvedischen Gesundheitsempfehlungen beinhalten die Säulen:

- Ernährungstherapie
- Ordnungstherapie (Lebensführung/Zeitmanagement)
- Pflanzenheilkunde (z.B. Nahrungsergänzungen)
- Externe Therapie (z.B. Massagen)
- Manuelle Therapie (z.B. Ausleitungsverfahren)
- Bewegungstherapie (Bewegung, Sport)
- Körperlich-Seelisch wirksame Verfahren (Meditation, Yoga, Entspannung).

 

 

Grundgedanken

In der ayurvedischen Lehre setzt sich alles Wahrnehmbare aus den 5 Elementen Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde zusammen: diese 5 Elemente sind in jeder Materie enthalten und alles im Universum ist aus ihnen zusammengesetzt - der Mensch ist die materielle Verdichtung von feinstofflicher Energie.

Um die Körperbeschaffenheit und deren Abweichungen zu benennen, bedient sich Ayurveda des Konzeptes von VATA, PITTA und KAPHA, den sog. Doshas. Vata, Pitta, Kapha benennen Eigenschaften (z.B. trocken/kalt/rauh/heiß/flüssig/weich/feucht), die durch die Nahrungsaufnahme entstehen. Vata, Pitta, Kapha repräsentieren die 5 Elemente auf funktionaler Ebene  (z.B. Atmung, Herzschlag, Umwandlung von Nahrung in für den Körper verwertbare Essenz, Übertragung von Sinnesreizen, Ausscheidungsfunktionen). Auf struktureller Ebene werden die 5 Elemente über die verschiedenen Körpergewebe (z.B. Knochen, Muskeln, Zellen, Blut, Nervengewebe) repräsentiert.

In jedem Menschen wirken die drei Prinzipien Vata, Pitta, Kapha in einem bestimmten, von Geburt an festgelegten Kräfteverhältnis. Diese Mischung steuert die körperlichen Vorgänge und bestimmt die geistige Verfassung. Die drei Doshas sind Energien, die stetig in Bewegung und ganz individuell sind. Ob ein Mensch etwa bei Stress eher Gewicht zunimmt oder abnimmt, ob er generell einen leichten Schlaf hat oder "immer" fest schläft, ob er stabil-geerdet oder luftig-locker durchs Leben geht - all dies sind Merkmale der in der Persönlichkeit vorherrschenden Präsenz und des Mischungsverhältnisses von Vata, Pitta, Kapha. Das Mischungsverhältnis der einen oder anderen Kraft prägt also Erscheinung, Persönlichkeit, Charaktermerkmale und Lebensstil.

Jeder Mensch wird mit einer ihm eigenen Konstitution geboren und die Ausgewogenheit der Doshas ist zu diesem Zeitpunkt optimal. Wenn die Doshas durch Einflüsse wie unzuträgliche Ernährung, Stress, Angst, Sorgen, Über-/Unterforderung in ein Ungleichgewicht geraten, wird der Mensch anfällig für Krankheit.

Hier ein Überblick über die Prinzipien und Merkmale von Vata, Pitta und Kapha:

 

VATA

steuert sämtliche Bewegungsvorgänge im Körper (wie z.B. das Nervensystem, die Atmung, es bewegt Harn und Stuhl aus dem Körper, "fördert Gedanken zutage"). Vata wird als "König" betrachtet, weil es ALLE Körperfunktionen steuert. Die beiden weiteren Prinzipien Pitta und Kapha sind ohne das Bewegungsprinzip Vata nicht fähig. Vata setzt sich aus den Elementen Raum/Äther und Luft zusammen. Die zugeordneten Attribute sind: leicht, beweglich, kalt, trocken, rau, schnell, veränderlich und fein. Vata steuert alle Bewegungsabläufe im Körper Sein "Haupt-Hauptsitz" liegt im Dickdarm, aber auch die Harnblase, die Ohren und Knochen sind weitere wesentliche Sitze von Vata im Körper. Aber nicht nur hier - Vata ist ein Prinzip das -ebenso wie Pitta und Kapha- überall im Körper, in jeder Zelle vorhanden ist.

Menschen mit einem dominanten Vata sind meist sehr schlank, drahtig und kreativ, reden schnell, sind unruhig bis nervös, sprunghaft bis unentschlossen, aber auch sehr wach und aktiv, ideenreich und begeisterungsfähig. Sie sind immer in Bewegung, frieren leicht und haben Schwierigkeiten, innerlich zur Ruhe zu kommen.

Zeichen eines Vata-Ungleichgewichts: Kälteempfindlichkeit; jegliche Zeichen von Trockenheit und Rauhigkeit (Haut, Zunge, Augen, Lippen, Mund, trockener Husten, brüchige Fingernägel, Haarschuppen), Bewegungseinschränkungen (Steifheit, Gelenkerkrankungen, Muskelverspannungen, Arthrose, Osteoporose, Arthritis), Erkrankungen der Ausscheidungsorgane Blase u. Dickdarm (Verstopfung, Durchfall, Blasenentzündung), gynäkologische Probleme (Menstruationsbeschwerden, ausbleibende Schwangerschaft), Herz-/Kreislauferkrankungen (Herzrhythmusstörungen, Tachy-/Bradykardie),  Neurologie (Nervosität, starke Ängste, Konzentrationsmangel, Depression, Melancholie, Neurosen, Krankheiten des vegetativen Nervensystems, Schwindel, Appetitlosigkeit/übermäßiger Appetit, Schlaflosigkeit); Morbus Parkinson; Krankheiten des Atemtrakts (Asthma, psychovegetative Störungen), Beeinträchtigungen der Sinnesorgane (Ohrenschmerzen, Tinnitus, Schwindel), Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust

Eine Vermehrung von Vata geschieht z.B. durch viel Bewegung (lange/häufige Reisen), Kälte, Extreme wie übermäßige körperliche Arbeit oder Sport, geistige Überlastung, Kummer, Sorgen, unregelmäßiges Essen, unregelmäßiger Tagesrhythmus oder Nachtarbeit. Vata vermehrt sich auch jahreszeitlich bedingt (Herbst); die Vata Zeit im Tagesverlauf ist von 3 bis 6 Uhr, am Nachmittag von 16-19 Uhr. Chronobiologisch ist das hohe und höhere Lebensalter dem Vata-Prinzip zugeordnet.

 

PITTA

ist die Feuer- und Umsetzungskraft im Körper. Diese Kraft ist mit den Elementen Feuer und Wasser verbunden. Die Eigenschaften sind: heiß, scharf, flüssig, feucht, sauer, bitter und leicht. Es regelt vor allem das Verdauungs- und Enzymsystem. Sein Sitz ist vor allem zwischen Herz und Nabel.

Der Pitta-Typ ist intelligent, kraftvoll, hat ein gutes Gedächtnis, ist zielstrebig, aber auch oft dominant in Gesprächen und Begegnungen. Er ist selten ängstlich und meist unbeugsam, auch im positiven Sinn: Bei starker Belastung bleibt er stabil. Seine Gesundheit ist grundsätzlich stabil.

Zeichen eines Pitta-Ungleichgewichts: starkes Schwitzen und Hitzewallungen; reizbare Unzufriedenheit; Aggressionen; schlechter Atem, Schlafschwierigkeiten, schwache Leber, Hormonmangel; Sodbrennen; Hautkrankheiten; Haarausfall, Durchfall und eine allgemein schlechte Verdauung, übermäßiger Hunger; gelblicher Teint und schlechte Haut; Entzündungen; Reizdarm.

 

KAPHA

repräsentiert das erhaltende und stabilisierende Prinzip im Menschen.  Es setzt sich aus den Elementen Wasser und Erde zusammen. Seine Eigenschaften sind: süß, schwer, beständig, weich, kalt, ölig, fettig und träge. Es hat seinen Sitz oberhalb des Herzens im Oberkörper und hat großen Einfluss auf die Funktion des Lymph- und Immunsystems und ist über das Skelett und die Zellstruktur an der Formbildung des Körpers beteiligt.

Menschen mit einem dominanten Kapha sind beständig, liebevoll, geduldig, pflichtbewußt und ausdauernd, aber manchmal etwas schwerfällig und langsam. Sie neigen zu Übergewicht, verschleimten Erkältungskrankheiten und innerem Phlegma.

Zeichen eines Kapha-Ungleichgewichts: Probleme mit den Gelenken, bleiche, fahle Haut; Kälteempfindlichkeit, schwache Verdauung; Übergewicht; häufiges Verschlafen; schwacher Stoffwechsel; Störungen des Atemsystems; Ödeme; Allergien; Depressionen; Eifersucht; Apathie oder Trägheit.

 

Die in unserem Körper wirksamen Doshas können sich je nach Lebenssituation und Ernährung in Harmonie oder Disharmonie befinden. Störungen in diesem sensiblen Kräftesystem wirken sich nicht nur auf der körperlichen, sondern auch auf der seelischen Ebene aus.

Für Gesundheit und Wohlergehen ist es nicht notwendig, jedes Element des Ayurveda anzunehmen. Aber indem wir einem allgemeinen ayurvedischen Lebensstil folgen, können wir bei wachsendem Stress, Druck und Sorgen unsere Ausgeglichenheit bewahren. Vor allem aber ist es ein Weg, durch den wir harmonisch leben und Krankheiten verhindern können sowie schneller wieder genesen, falls wir doch einmal krank werden sollten.

 

                                                                 

Massage

Die Berührung ist von alters her eine einfache und doch wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit. Ganz automatisch werden Hände aufgelegt, um Schmerzen zu lindern. Die liebevolle und sanfte Berührung schafft Nähe und das Gefühl von Liebe und Versorgtsein – eine Erinnerung an unseren göttlichen Kern.

Unter Ayurvedischer Massage versteht man verschiedene Behandlungsformen, die in den unterschiedlichsten Bereichen der Ayurveda Medizin und Ayurveda Gesundheitsvorsorge eingesetzt werden. Viele kunstvolle Griffe und Ausstreichungsformen werden in den Ölungen eingesetzt, Anwendungen mit den unterschiedlichsten Substanzen, Kräutern und Ölen werden ausgeführt. Pasten, Mehle und Teige werden auf dem ganzen Körper verteilt – alles, um den Menschen wieder zu vollständiger Gesundheit und Stärke zu verhelfen, ihm die Lebenskraft und Freude wiederzubringen und Körper, Geist und Seele in Balance zu bringen.

Ayurveda - die indische Weisheit vom langen Leben - verfolgt mit der Massage zwei Grundprinzipien: Körpergifte sollen abgebaut und die Seele beruhigt werden. Wichtigstes Mittel der ayurvedischen Massage ist das Öl. Sesam-, Mandel-, Sonnenblumen- oder Olivenöl sind gleichermaßen geeignet.

Abhyanga - Streicheleinheiten für Körper, Geist und Seele

Die ayurvedische Massage wird zum einen als Vorbereitung von Reinigungstherapien eingesetzt, zum anderen aber auch als eigenständige Technik angewendet. Sie hat eine belebende Wirkung auf die Haut, die Muskeln, Venen und Arterien, Herz- und Kreislaufsystem und das Nervensystem. Sie verbessert das Hautbild, stärkt die Lungen, die Eingeweide und die Knochen und reguliert das Verdauungssystem.

Ayurvedische Massage facht die Hitze im Körper an und veranlasst den Körper so, seine Abfallprodukte wirksamer auszuschwemmen. Sie beinhaltet alle Aspekte der ayurvedischen Behandlungen zur Verjüngung, Vitalisierung, Reinigung, zur Steigerung des Selbstwertes und zur Förderung der Intelligenz.

Bei der Abhyanga, der Ganzkörpermassage, wird die Körpertemperatur durch das intensive Einreiben mit knapp 40°C warmem Sesamöl erhöht. Der Körper wird unter Einsatz von Händen und Unterarmen mit der so genannten "Technik der liebevollen Hände" mit sanften Bewegungen von Kopf bis Fuß umschmeichelt. Eine spezielle erwärmte Liege und die Raumtemperatur von mindestens 25°C sollen den Körper dazu anregen, seine Abfallprodukte über die Haut und die Lymphe vermehrt auszuschwemmen. Wichtig: Der Körper liegt auf einer Gummimatte und „schwimmt“ ein wenig im Öl. Eine besondere Form des Abhyanga ist die Synchronmassage. Zwei Masseure massieren gleichzeitig bzw. parallel.

Bei diesen Behandlungen kann  durch Schwitzen und durch das Trinken von heißem Wasser die Ausleitung der gelösten Stoffe unterstützt werden. Durch trockene oder feuchte Wärme werden die Körperkanäle geöffnet und das Öl kann noch besser in die Gewebe eindringen. Die starke Eigenerwärmung bewirkt eine Mehrdurchblutung und Sekretionsprozesse werden verstärkt.